Mit sechs Jahren lernte ich das Skifahren. Meine Eltern hatten über einen Bekannten eine Adresse in Österreich ausgemacht. Eine kleine Pension mitten in den Bergen. Viele schöne Skigebiete gab es in der Nähe. Ich erinnere mich noch genau, wie ich die ersten Tage des Skikurses gehasst habe. Meine Eltern durften in der Erwachsenengruppe schon erste Hänge herunterfahren, doch wir, die ganz Kleinen, mussten zu allererst mit unseren kurzen Skiern an den Beinen immer wieder einen kleinen Buckel hochlaufen. Mann, war das anstrengend und Spaß machte es absolut keinen. Erst nach etwa vier Tagen machte ich meine erste Abfahrt am Babylift – ein Highlight für mich als Sechsjährige.
Wir kamen regelmäßig in die kleine Pension. Gewöhnlich über die Weihnachts- und die Osterfeiertage. An Weihnachten tobte ich, wenn ich nicht gerade beim Skikurs war, im Schnee herum. An Ostern hatten es mir die saftigen Bergwiesen angetan und ich pflückte Unmengen von Blumen, am liebsten Schlüsselblumen. In der Nähe gab es rauschende Gebirgsbäche und einen Wasserfall. Mit den anderen Kindern, die ich dort kennen gelernt hatte, baute ich Staudämme und spielte stundenlang im Freien. Einmal rettete ich sogar Frösche, deren Tümpel ausgetrocknet war, indem ich den Laich in einem Einmachglas mit nach Hause nahm und die Tiere in unserem Garten in Deutschland später aufzog.
Ich liebte diese Urlaube und ich erinnere mich bis heute exakt an den Duft der Bettwäsche, der mich immer mit diesem Ort verband. Vor einigen Jahren entdeckte ich – heute bekennender Duftjunkie und stets auf der Suche nach dem heiligen Gral der Düfte – über eine liebe Duftfreundin Passage d’Enfer von L’Artisan Parfumeur. Ich schnupperte an meinem Handgelenk und konnte plötzlich alles bildhaft sehen: Ich lag im Bett dieser schnuckeligen Bergpension und war wieder Kind. Exakt so duftete die Bettwäsche. Ein Duft, der mich immer wieder an die wunderbaren Urlaubsträume und meine turbulente und aufregende Kindheit erinnert.
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