Meine duftende Erinnerung zeigt wieder einmal, dass Düfte Gefühle hervorrufen und in meinem Fall ein sehr zwiespältiges, nämlich ein schlechtes Gewissen:
In meiner Jugend war es selbstverständlich, für die Eltern selbst Gebasteltes, Geschriebenes, Gemaltes zu Festtagen zu Verschenken. Irgendwann so um die Pubertät herum fand ich das sowas von öde, mir fiel nichts ein, meine Kreativität war mit anderem beschäftigt und Weihnachten rückte immer näher, ohne dass ich ein Geschenk für meine Mutter auch nur angedacht, geschweige denn in Angriff genommen hätte.
Es kam wie es kommen musste. Der Morgen des Heiligen Abend brach an und brach in Panik aus. Mit welcher Ausrede ich noch in die Stadt fuhr, weiß ich heute nicht mehr. Jedenfalls lief ich ratlos durch die Kaufhäuser. Mein Taschengeld war nicht üppig und ich brauchte dann für Mutti dringend noch ein Geschenk. In meiner Verzweiflung kaufte ich für sie eine Flasche Mouson Lavendel.
Es gab damals eigentlich nur zwei Lavendel-Düfte. Der besagte von Mouson und Uralt, dass noch heute im Regal steht und ganz von alleine auch immernoch einen rentablen Umsatz macht. Im Gegensatz zum herberen Uralt war Mouson weicher und eleganter. Na ich zog mit meiner Errungenschaft heim und mir graute vor dem enttäuschten Blick meiner Mutter während der Bescherung. Aber meine Mutter war eine sehr kluge Frau und hat so getan, als ob sie sich darüber freut, denn den Duft “hätte sie schon lange einmal haben wollen”. Sie wusste, dass ich wusste, dass das nicht stimmt. Sie wusste auch, dass mein schlechtes Gewissen Strafe genug für meine Lieblosigkeit war.
Im Jahr danach hat sie gar nicht mehr erwartet, etwas selbst gemachtes zu bekommen, aber gerade da habe ich mir besonders Mühe gegeben. Ich hatte ihr und mir etwas gut zu machen.
Die Konsequenz aus dieser Geschichte ist die Tatsache, dass ich reinen Lavendelduft noch heute mit einer gewissen Beklemmung zur Kenntnis nehme.
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