Meine Erinnerung an einen Duft fängt leider bei meiner nicht so schönen Vergangenheit an.
Ich war jung und leider auch naiv und so verliebte ich mich in Rainer. Rainer war der Traummann den man sich vorstellen konnte: er war erfolgreich, höflich, zuvorkommen und witzig. Er wirkte auf die Frauenwelt und seine Anziehung konnte ich nicht wiederstehen. Rainer hatte Humor und Scharm und so wurde aus einem kleinen Flirt dann eine feste Beziehung und aus eine fester Beziehung eine wunderschöne Hochzeit.
Nach der Hochzeit veränderte sich Rainer sehr, aus dem zuvorkommenden, höflichen Mann den ich geheiratet hatte wurde ein jezorniger und verbitterter Mensch. So kam es, dass, als ich mal sein Rasierschaum vergessen hatte, er total ausflippte und mich schlug. Ich stand da und wusste nicht mehr was ich machen sollte ich schaute Ihn verwirrt und angewiedert an. ”Das hast du nun davon” war das, was er dazu zu sagen hatte.
”Das hast du nun davon” – mehr nicht. Vielleicht kann sich jemand vorstellen, was das in einen auslöst?
Wenn jetzt einer fragt: ”und wieso bist du bei Ihm geblieben?” – dann kann ich nur schreiben: Im Nachhinein ist man immer klüger, damals war ich verliebt und dachte mir, das passiert nicht noch mal!
Und so verzieh ich Ihm, naja vielleicht vergass ich auch nur, so wie ich das Rasierwasser vergessen hatte. Ich lebte aber, im Nachhinein betrachtet, doch immer voller Angst und war immer angespannt, wenn ich mit Rainer zusammen war.
Was das nun mit meiner Dufterinnerung zu tun hat, denkt sich nun der ein oder andere, eigentlich nichts, aber nachdem Rainer, wie ich es immer zu mir selbst sagte: ab und zu öfters die Hand ausrutschte wurde Rainer von der Firma zum Glück so weit versetzt und war nur noch am Wochenende zu Hause.
Ich war einsam, verlassen und verletzt und so kam es, dass ich jemand anders kennenlernte, einen anderen Mann namens: Martin.
Martin war anders: verständnisvoll und hatte für meine Probleme und Sorgen immer ein offenen Ohr, er gab Ratschläge und Hilfestellungen, alles nur schriftlich, denn Martin war im Gefängnis und so konnten wir uns nur Briefe schreiben.
Was mir an seinen Briefen immer wieder gefallen hat, war der Duft, diese rochen so männlich marktant, wie ein starker Mann der einen in die Arme nimmt, wenn man festgehalten werden will, so herbstlich wie das Laub, welches kalt nass den Baum hinunterfiel und so hölzern, wie das alte Holz bei mir im Garten welches langsam vor sich hin verrottete.
Ich war immer voller Freude und mein Herz machte einen kleinen Sprung, wenn ich im Briefkasten einen Brief von Martin entdeckte. Die Sorgen – meine Sorgen und meine Verletzungen, waren mit seinem Brief, mit diesem Duft vergessen. Dieser Duft und dieser Schreibstil seiner Nachrichten erhellten meinen Tag der meinst mit Trist, Langeweile und Angst verpackt war.
Es kam so, wie es kommen musste: Rainer hatte einmal einen Brief abgefangen und so kam es, dass ich mich ins Frauenhaus retten konnte. In dieser sehr schwerer Zeit, die mit Scheidung und Angst, mit viel Trauer und Schmerz verbunden war, war immer etwas für mich da: Martins Briefe. Ohne diese Briefe und vorallem ohne diesen mir vertrauten Duft von Stärke und Geborgenheit, hätte ich wohl nie diese schwere Zeit überwunden und geschafft.
Martin kommt erst in vielen Jahren aus dem Gefängnis, uns ist klar, dass aus uns nichts werden kann, aber unsere Briefe helfen uns Beide.
Heute bin ich wieder glücklich, habe eine kleine Tochter und einen liebenden Mann. Er hat Verständnis für meinen Brieffreund und das schöne ist, er trägt auch den Duft von Martin: Hermès Terre d´Hermes – der Duft der mich auffängt und mir beisteht.
Eine Erinnerung mit Happy End
Hollywood-Reif !
Ja, Happy End!! Voll schön, seufz!
weiss nicht, klingt kitschig! ABER ich trage den Duft auch! ! ! ! !